Die Transferphase ist aus Sicht von Hannover 96 eigentlich meist gleich: Alle Vereinen umgarnen sich gegenseitig mit viel Geld und großen Spielernamen – und der Verein von der Leine schaut meist zu und schnappt sich das, was übrig bleibt. Oder lässt sich von anderen Clubs das Geld aus der Tasche ziehen. So war das zumindest in der Vergangenheit (wir erinnern uns an Diouf, Huszti und Stindl).

Seit Dienstabend ist klar, dass Joselu in Hannover gleich doppelter Rekordmann ist. Zu Beginn der vergangenen Saison war der Spanier mit 5 Mio. Euro Ablöse der teuerste Spieler der Vereinsgeschichte (und löste damit Mike Hanke ab). Jetzt ist klar, dass er auch der teuerste Verkauf der Vereinsgeschichte ist – denn er wechselt für kolportierte 8 Mio. Euro nach England zu Stoke City. Damit löst er nicht nur den Tschechen Jan Simak (seinerzeit immerhin 6,5 Mio. Euro) ab, sondern sorgte für ungeahnte finanzielle Möglichkeiten in Hannover.

Wenn ein Spieler bei einem Verein wie Hannover 96 innerhalb eines Jahres für einen Umsatz von rund 13 Mio. Euro sorgt, dann muss es sich um einen besonderen Spieler handeln. Dass er das sein kann, hat Joselu vor allem in der Vorrunde gezeigt, als er sieben seiner acht Saisontore schoss. Doch im Kalenderjahr 2015 stand er als Symbolbild für den Niedergang der launischen und verunsicherten Mannschaft von Hannover 96. Wie ein Phantom schlicht er über den Platz, wirkte lustlos und zeigte häufig eine Körpersprache, die einen als Fan selbst im Oberrang zur Weißglut brachte. Dass am Ende einer derartig katastrophalen Saison dann eine Trennung vom vermeintlichen Superstar ansteht, ist keine Überraschung. Zwischenzeitlich hieß es, dass der 1. FC Köln bereit sei, 3 Millionen Euro für den launischen Spaniern hinzulegen. In Hannover war man bereits hellhörig und hatte sich damit abgefunden, den Spieler mit einem Verlust von „nur“ zwei Millionen Euro abzugeben. Wenn man nun aber sogar mit einem Gewinn von 3 Millionen Euro aus der Sache herausgehen kann, dann freuen sich beide Seiten.

Auf der anderen Seite sei daran erinnert, dass Joselu damit mehr Geld in die Transferkassen spült, als es Huszti, Diouf und Stindl zusammen getan haben. So paradox ist der Transfermarkt mittlerweile. Und bei allem Spot, den das Zweieck im Laufe der Saison auch an Herrn Dufner ausgesprochen hat – dieser Deal war großartig. Ebenso, wie die Käufe von Charlison Benschop und Oliver Sorg.

Wenn es Dirk Dufner nun noch schafft, das Geld sinnvoll zu reinvestieren und Ersatz für die Offensive zu besorgen, dann kann er zeigen, dass er doch das ist, wofür er vor Jahren mal geholt worden war: Ein guter Manager mit dem Händchen für preiswerte Transfers und passende Spieler. Warten wir es ab…

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